Die logischen Ebenen im Kontakt

Worum geht es?

Grundsätzlich möchte ich dir das Modell der logischen Ebenen vorstellen. Wenn dir das zu viel Theorie ist, kannst du den ersten Teil such überspringen und direkt zur Praxis gehen. Wenn du Fragen oder Anregungen hast, freue ich mich von dir zu hören.

Die logischen Ebenen

Die logischen Ebenen wurden von Gregory Bateson entwickelt. Rorbert Dilts hat aus dieser Entwicklung ein Modell für das NLP definiert. Zum Teil werden sie in der Literatur als Neurologische Ebenen bezeichnet.

Für mich sind die logischen Ebenen eine hilfreiche Idee, die sich für verschiedene Zwecke einsetzen lässt. Derzeit bereite ich einen Artikel zum Thema „Identität“ vor. In der Vorbereitung stelle ich fest, dass die Erklärung der logischen Ebenen, den Rahmen sprengen würde. Daher entschied ich mich, diesen Artikel vorweg zu schreiben.

Logische ebenen

Erklärung der logischen Ebenen

Auch wenn die logischen Ebenen keine Hierarchie darstellen und sich gegenseitig beeinflussen, habe ich die obige Darstellung gewählt. Von unten nach oben gesehen wird jede Stufe komplexer. Auf jeder höheren Stufe wird die Information der darunterliegenden Stufe organisiert. Schauen wir uns jetzt die einzelnen Stufen von unten nach oben an.

Die Umgebung

Die Stufe der Umgebung umfasst die Umstände, den Raum, die Zeit und die Mitwelt. Also die uns umgebende Situation, die wir mit unseren Sinnesorganen erfassen. In dem Bereich setzen wir auch die Grenzen, wer und was mit in unsere Umgebung gehört. Die Fragewörter zu dieser Ebene sind: Wo, mit wem, wann?

Das Verhalten

In diese Stufe gehören unsere Handlungen. Es ist das, was wir tun. Hier kommt unsere Motorik ins Spiel. Verhalten ist ein gegenwärtiger Moment. Auch wenn wir über die Vergangenheit sprechen, war das besprochene Verhalten gegenwärtig und situationsbezogen. Zu einem anderen Zeitpunkt und in einer anderen Situation wird ein anderes Verhalten gezeigt. So kann zum Beispiel der Chef, der sehr grob mit seinen Mitarbeitern umgeht, ein liebevoller Vater sein. Das Fragewort zu dieser Ebene ist: Wie?

Die Fähigkeiten

Zu der Ebene der Fähigkeiten gehören auch unsere Strategin und Potentiale. Diese Ebene setzt voraus, dass Verhaltensmuster und Erfahrungen über einen längeren Zeitraum erfahren wurden. So erweiterten und verbessern sich unsere Fähigkeiten, je öfter wir eine bestimmte Handlung (ein Verhalten) durchführen. Zum Beispiel das Autofahren oder das Schreiben. Neben motorischen Fähigkeiten gehören unsere Denkstrategin in diesen Bereich. Zum Beispiel, wie eine Ärztin die Krankheit, an der ein Patient leidet, nachfragend herausfindet. Das Fragewort zu dieser Ebene ist: Wie?

Die Werte

Der Bereich der Werte umfasst über die Werte hinaus, unsere Überzeugungen, Glaubenssätze, Erlaubnisse und Motivation.  All das bestimmt unser Handeln. Die Grundlagen für diese Ebene bilden Erfahrungen, die wir gemacht haben und welche wir für die Zukunft verallgemeinern (verallgemeinert haben).

Interessanterweise gibt es manchmal eine Kluft zwischen den Überzeugungen, die wir äußern und denen, nach denen wir handeln. Um Letzteres geht es auf dieser Ebene. Unsere Werte spiegeln wieder, was uns wichtig ist und sind oft die Motivation für unser Handeln. In diesem Bereich finden sich viele persönliche Grenzen. So gibt es Werte, beispielsweise Freiheit, die ein bestimmtes Verhalten, einsperren, quasi verbieten. Das Fragewort zu dieser Ebene ist: Warum?

Die Identität

Die Identität umfasst unsere Individualität und Wesensart. In Gesprächen erkennen wir diese an der Formulierung: „Ich bin … Elektriker, Mutter, dick, schüchtern …“ Sie ist das Gefühl für sich selbst. Die Identität fasst die Erfahrungen des ganzen Lebens zusammen. Zwar drücken wir uns durch unser Verhalten, unsere Fähigkeiten, Werte und Überzeugungen aus, wir sind aber viel mehr als die Summe dessen. Das Fragewort zu dieser Ebene ist: Wer?

Die Zugehörigkeit

Zur Ebene der Zugehörigkeit gehört auch der Bereich der Spiritualität. Ebenso umfasst sie unsere Mission, unsere Vision und unseren Sinn im Leben.

Dies ist der Bereich unserer Ethik. Wir definieren hier unseren Platz in der Welt. Es ist die Erfahrung, Teil eines größeren Ganzen zu sein. Bezogen auf unser Umfeld bedeute das, seinen Platz in der Gemeinschaft gefunden zu haben. Wir sind im Austausch mit anderen und erleben eine Form der Verbundenheit mit ihnen. Wir alle haben verschiedene Zugehörigkeiten. Wir gehören beispielsweise zu unserer Familie, unserer Abteilung und unserem Freundeskreis.

Der Bereich der Spiritualität geht über das sinnlich Erfahrbare und Greifbare hinaus. Hier entsteht eine tiefe Orientierung uns Sinngebung des Einzelnen. Da die Erfahrung von Spiritualität meist ein innerlicher Prozess ist, ist er schwer nach außen transportierbar. Wir können ihn nicht beweisen, auch wenn wir selbst ein tiefes Wissen darum haben.

Die Fragewörter zu dieser Ebene sind: Wozu? Für wen?

Die Anwendung der logischen Ebenen

Wofür soll es denn gut sein? Ich hatte schon in der Überschrift dargestellt, dass es um das Thema Kontakt geht. Nehmen wir mal an, du gehst auf eine Party und kennst nur den Gastgeber. Du möchtest einen schönen Abend verbringen und andere Gäste kennen lernen. Wir steigen zwar diesmal über die Zugehörigkeit ein, du kannst allerdings auf jeder Ebene mit einem Gespräch beginnen.

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Du gehörst zur Gruppe der Gäste. Hier erben sich schon die ersten Fragen für einen guten Kontakt. Woher kennen die anderen den Gastgeber? Sind sie auch alleine oder mit anderen gekommen? Haben sie schon andere Gäste kennen gelernt? Wie empfinden sie die Atmosphäre auf der Party?

Da die Ebene der Identität oft sehr fest ist, empfiehlt es sich nicht lange auf ihr zu verweilen. Vielleicht hast du erfahren, dass Gäste Kinder haben. Sie haben eine Identität als Eltern. Auf dieser Ebene kommt schnell die Frage nach dem Beruf. Die Antwort darauf ist dann: „Ich bin … z.B. Elektriker.“ Ich habe es oft erlebt, dass ein Gespräch, nachdem beide ihren Beruf genannt haben, verebbt ist. Da du die logischen Ebenen jetzt kennst, kannst du nun zu einer anderen Springen.

Kommen wir zu den Werten. Wenn du offen und wertfrei an diese Ebene herangehst, können sich sehr tiefgehende Gespräche entwickeln. Ich bleibe jetzt mal bei den Eltern und dem Elektriker. Je nachdem, wie gut du schon im Gespräch bist, kann die Frage nach dem „Warum“ schon gestellt werden. Das ist beim Elektriker sicherlich einfacher als bei den Eltern. Fragen, die dich hier auch weiterbringen können sind: „Was ist ihnen als Elektriker oder Eltern wichtig? Worauf legen sie großen Wert in ihrer Arbeit? Wie sollten Eltern aus ihrer Sicht sein? Was ist ihnen für ihre Kinder wichtig?“  Zur Party selbst: „Was ist ihnen wichtig, wenn sie eine Feier ausrichten?“

Auf der Ebene der Strategin wird das Feld weiter. „Wie gehen sie als Elektriker vor, wenn ein Gerät kaputt ist? Welche Fähigkeiten sollte ein Elektriker besitzen? Wie schaffen sie es, ihre Kinder ins Bett zu bringen? Wie organisieren sie Zeit für sich und für die Kinder?“ Zur Party selbst: „Wie würden sie ein solches Fest organisieren? Haben sie die Einladung gesehen, wie die wohl erstellt wurde? Wie würden sie eine Einladung gestalten? Wie haben sie diesen leckeren Salat gemacht?“

Beim Verhalten bleibst du am besten in der konkreten Situation. Was genau beobachtest du? Das ist für mich die ideale Ebene für Komplimente. „Sie haben einen angenehmen Händeruck. Ihr Kleid steht ihnen ausgesprochen gut. Das Essen ist schön dekoriert.“ Komplimente sollten ehrlich sein und nicht übertrieben werden.

Als Abschluss nochmal die Umgebung. Sie eignet sich gut, um in einen ersten Kontakt zu kommen. „Seit wann sind sie hier? Mit wem sind sie gekommen? Woher kommen sie? Wie lange haben sie hier her gebraucht?“ „Bleiben sie noch lange?“ ist keine geschickte Frage, mir leider dennoch passiert.

Fazit

Die logischen Ebenen eignen sich gut, um im Gespräch und im Kontakt zu sein. Wenn du sie kennst, kannst du zwischen ihnen hin und her springen, wenn das Gespräch auf einer Ebene verebbt. Je öfters du sie anwendest, desto mehr Gespür wirst du für „gute“ Fragen bekommen.

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