Mut zur Lücke

Habe Mut zur Lücke, genieße sie

Immer wieder hören oder lesen wir, dass wir Mut zur Lücke haben sollten. Einerseits stimmt es aus meiner Sicht, Andererseits finde ich es nicht immer einfach. Ich möchte dir ein wenig aus meiner Geschichte erzählen und dir hoffentlich, Mut zur Lücke, machen.

Das Pieps-Dings

Wenn ich an Lücken denke, fällt mir sehr schnell die Parklücke ein. Ich gestehe, dass ich echt große Schwierigkeiten mit dem rückwärts Einparken hatte. Aus diesem Grund habe ich solche Parklücken, wo es ging, gemieden. Bis ich dann irgendwann so ein Pieps-Dings am Auto hatte.

Mit dieser Vorrichtung stellte sich der Mut zur Lücke, in dem Fall Parklücke ein. Und wie das oftmals so ist, verbesserte sich mein Einparken mit jedem Mal deutlich. Irgendwann war das Pieps-Dings kaputt. Siehe da, es ging auch problemlos ohne.

Der Kontrollfreak in mir

Ehrlich gesagt, früher hätte ich mir so ein Pieps-Dings für das Leben gewünscht. Piep, piep, piep … sie kommen in eine gefährliche Situation. Piep …. Piep … Piep sie haben noch genug Abstand. Aber so etwas, dachte ich, gäbe es in meinem Leben nicht.

Daher versuchte ich, die Dinge in der Hand zu behalten und zu kontrollieren. Nicht dass wir uns missverstehen, ich hatte keine Angst vor Neuem. Ich musste das Neue nur halt schon kennen. Dann war es unproblematisch.

Mein Persönlichkeitsanteil des Kontrollfreaks war ziemlich groß. Mut zur Lücke, Loslassen, Kontrolle abgeben oder das annehmen, was da ist, war nicht so meins. Ich brauchte mindestens einen Plan B. Okay, manchmal auch einen Plan C, D, E bei F war zum Großteil Ende. Zu meinem Glück war meine Neugier größer.

Der Musiker

Der erste Bruch im Bereich, Mut zur Lücke, kam durch einen Musiker, den ich zufällig nach einem Konzert kennen lernte. Er, ein gefeierter Star, nahm sich sehr viel Zeit für ein Gespräch mit mir. Ich war beeindruckt von seinem Habitus und seinem Können. Wie dem auch sei, ich glaube, dass er mich recht schnell durchschaut hatte. Das wurde mir allerdings erst viel später bewusst.

Wir unterhielten und über seine Musik, dachte ich zu mindestens. Er erklärte mir, dass die Noten zwar wichtig sind, die Pausen zwischen den Noten aber noch wichtiger. Sie ergeben die Melodie und den Rhythmus. Für einen Musiker sei es manchmal echt schwer, diese Lücken auszuhalten. Gerade auf einem Konzert.

Zeitweise kommt es vor, dass in diesen Pausen etwas passiert und man nicht weiterspielen kann, wie es geplant war. Dann müssen die Musiker improvisieren. Teilweise ist das, was passiert dann sogar besser, als das, was geplant war. Wie im Leben halt auch.

Krisen

In Krisen kommen manchmal Fähigkeiten zum Vorschein, die wir schon lange in uns tragen. So ging es mir auch. Während einer solchen Krise, das hier auszuführen, würde den Rahmen sprengen, musste ich agieren und reagieren. Zum Planen war keine Zeit.

Der Mut zur Lücke war da. Ich konnte diese Lücken sehr gut aushalten. Zu einem großen Teil musste ich improvisieren. Das ging. Die Krise wurde beigelegt und die Normalität kam zurück ins Spiel. Nach diesem Vorfall erinnerte ich mich wieder an den Musiker.

Und heute

Nach wie vor plane ich mein Leben recht gut. Noch heute gibt es Momente, in denen ich über mich lächle, weil ich zu stark auf Kontrolle achte. Hier überlege ich dann, was mich abhält loszulassen. Meist liegt es daran, dass ich sehr viel um die Ohren habe. Hier brauche ich einen Plan.

Mittlerweile lieb ich es jedoch, mit Lücken zu spielen. Heute bewege ich mich gerne in Bereiche, von denen ich nicht viel oder gar keine Ahnung habe. Mit den Lücken zu spielen macht Spaß. Und das, was dabei passiert kann wundervoll sein.

Übrigens, dass mit dem Pieps-Dings klappt auch, wenn ich auf mich und meine Gefühle achte.

Und du?

Wo und wie kannst du die Kontrolle abgeben?

Könntest du deinen Mut zur Lücke noch ausbauen?

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