Schönreden oder kognitive Dissonanz 

Schönreden oder kognitive Dissonanz 

Warum laufen Menschen sehenden Auges auf ihren Untergang zu?  Wieso bleiben Firmen in ihren Bereichen hängen, auch wenn sich abzeichnet, dass Sie sich so auf dem Markt nicht halten können? Wie kommt es zum Hadern, wenn wir unsere Entscheidung getroffen haben? Mit diesen Fragen betreten wir das Feld der kognitiven Dissonanz.

Der Begriff Dissonanz kommt aus dem Gebiet der Musik. Er beschreibt eine Situation in der Instrumente nicht im Gleichklang sind. Sie spielen unharmonisch. Somit ist Harmonie der Gegensatz zur Dissonanz. Gleichzeit ist Harmonie das, wonach wir in unserem Leben streben.

Wir benötigen Harmonie im Leben um uns sicher zu fühlen und um uns entfalten zu können. Leider laufen wir dabei oftmals in die Falle der kognitiven Dissonanz. Das Verstehen der und der Umgang mit einer kognitiven Dissonanz kann dein Leben erheblich vereinfachen.

Entscheidungen treffen

Entscheidungen treffen

Jeden Morgen, schon mit dem Aufstehen fängt der Entscheidungsmarathon durch den Tag an. Stehen wir auf, oder bleiben wir liegen? Was ziehen wir an? Wie kommen wir zur Arbeit? … Schauen wir Fernsehen oder lesen wir ein Buch, bevor wir schlafen gehen?

Neben diesen kleinen alltäglichen Entscheidungen stehen zeitweise wichtige Entscheidungen an. Nehme ich den neuen Job an? Soll ich ein Haus kaufen? Ausbildung oder Studium? Welche/s?

Ob kleine oder große Entscheidungen, alle haben eine Gemeinsamkeit. Wir treffen eine Wahl. Wir greifen bei einer Sache oder Möglichkeit zu. Von der oder den anderen „scheiden“ wir uns. Eigentlich sollte uns das keine Probleme bereiten. Eigentlich! Doch bevor ich auf das Thema eingehe, möchte ich dir einen Teil aus meiner Geschichte erzählen.

Das Studium und ich

Nach meinen Erfahrungen bei den Pfadfindern war mir klar, dass ich keinen Wehrdienst ableisten kann. Ich würde den Dienst an der Waffe also vermeiden. Die erste kognitive Dissonanz stellte sich dadurch ein, dass mein Vater überzeugter Offizier bei der Bundeswehr war.

Ich wollte einerseits das Verhältnis zu meinem Vater nicht gefährden, andererseits in gar keinem Fall Wehrdienst leisten. Um für mich wieder Harmonie herzustellen, ging ich auf die Wünsche meines Vaters ein. Ich begann ein Studium im Bereich Elektrotechnik, anstatt Sozialpädagogik zu studieren.

Damit war ich für den Moment auf der sicheren Seite des Lebens. Die Geschichte macht hier jedoch wenig Sinn, wenn es so weitergelaufen wäre. Ich quälte mich durch das Studium.

Die „Heiligtümer“ des Studiums waren die Atomenergie und Fabriken, die ohne menschliche Arbeitskräfte auskommen. Beides widersprach meinen inneren Überzeugungen zu tiefst. Aber um nicht wieder in eine kognitive Dissonanz zu geraten, redete ich mir die Sache schön.

Ich warf meine Überzeugungen ein wenig über Bord indem ich mich auf die Technologie in den Tropen, sowie die Medizintechnik konzentrierte. Entwicklungshilfe war mein Ziel. Eigentlich hätte mir das schon eine Warnung sein müssen. (Schon wieder dieses Wort – eigentlich) Wir unternehmen leider sehr viel, um nicht in eine kognitive Dissonanz zu geraten.

Das läuft bei meisten Menschen so lange, bis wir unsere Toleranzschwelle erreichen. Bei mir war es nicht anders. Irgendwann klappte das Schönreden nicht mehr. Ich musste mich der Realität stellen. DAS IST NICHT MEIN JOB. Ab diesem Zeitpunkt beschäftigte ich mich ausschließlich mit Menschen und das war eine gute Entscheidung.

Auswirkungen der kognitive Dissonanz 

Theorie der kognitiven Dissonanz

Sie geht zurück auf den Psychologen Leon Festinger und wurde von diesem 1957 entdeckt. Verschiedene Entscheidungen können einander widersprechen. Zum Beispiel habe ich Lust, auf ein Stück Schwarzwälderkirschtorte andererseits will ich auf meine Figur achten. Es ergibt sich eine Unstimmigkeit in meiner Entscheidung.

Festingers Theorie beruht nun auf zwei Hypothesen (die Originale findest du bei Wikipedia):

Das Vorhandensein von Unstimmigkeiten in unserem Leben wird als unangenehmer Spannungszustand erlebt. Dieser Zustand übt auf die betreffende Person einen Duck aus, die Unstimmigkeit(en) zu beseitigen. Je größer die Unstimmigkeiten sind, umso stärker wird der Druck.

Die Unstimmigkeit zwischen zwei Punkten in unserem Leben kann nur so groß werden, bis wir bereit sind, einen Punkt zu verändern. Meist ist das der weniger widerstandsfähige Punkt in der Beziehung.

Bei mir wäre das jetzt gerade, um bei dem Beispiel zu bleiben, das Essen der Torte. Schließlich kann ich dann heute Abend ja eine Runde laufen. (Schönreden)

Auswirkungen der kognitiven Dissonanz

Wie du vielleicht bereits in meinem Beispiel gesehen hast, können die Auswirkungen der kognitiven Dissonanz sehr weitreichend sein. Wir versuchen, Unstimmigkeiten in unserem Leben möglichst rasch zu reduzieren. Hierfür benutzen wir beispielsweise Einstellungs- oder Verhaltensänderungen. Manchmal gehen wir so weit, dass wir unsere Überzeugungen, ja sogar unsere Werte ändern.

Festinger zeigt ebenfalls auf, dass wir zu einer eingeengten Auswahl unserer Wahrnehmung neigen. Sobald wir eine Entscheidung getroffen haben, nehmen wir hauptsächlich Dinge und Aussagen wahr, die zu der Entscheidung passen. Aussagen, die unsere Entscheidung widerlegen, blenden wir entweder aus, reden sie schön oder werten sie ab.

Je mehr Zeit, Anstrengung oder Geld wir in eine Idee (auch von uns selbst) gesteckt haben, umso weniger lassen wir Widersprüche zu. In der Psychologie nennt man das Selektive Wahrnehmung. Hier findest du eine Ähnlichkeit mit der selbsterfüllenden Prophezeiung.

Entscheidungen und kognitive Dissonanz 

„Falsche“ Entscheidungen

Kognitive Dissonanz, Unstimmigkeiten, in unserem Leben, ertragen wir nicht lange. Wir fühlen uns unwohl uns suchen (zum Teil unbewusst) nach Möglichkeiten, diese aufzulösen. Im Beispiel meiner Studienwahl und der Studiendauer zeigt sich, dass meine Auflösung der kognitiven Dissonanz für mich nicht wirklich förderlich war.

Das Studium war bei weitem nicht die einzige Entscheidung, die ich im Nachhinein bereut habe. Wir alle treffen häufig Entscheidungen, die uns nicht nützlich sind. Manchmal lassen wir uns auch einfach hinreißen, diesen oder jenen Weg zu gehen.

Meist wägen wir die Alternativen nicht rational ab. In vielen Bereichen kommen wir nicht dazu, Pro- und Kontralisten zu erstellen. Gerade, wenn wir unter Druck stehen und vermeintlich entscheiden müssen.

Beispielsweise war es klar, dass meine Mutter das Dach ihres Hauses erneuern musste. „Zufällig“ kam ein Dachdecker vorbei, der in der Nähe ein anderes Dach neu deckte. Er unterbreitete Ihr ein supergünstiges Angebot, wenn Sie sofort zusagte.

Glücklicherweise bezog meine Mutter mich bei diesem Gespräch mit ein. Es war unglaublich mit welchen „verbalen Tricks“ der Dachdecker arbeitete. Ich selber musste immer wieder aufpassen, dass ich mich nicht verlocken ließ. Abschließend sagte ich, dass wir noch einmal über das Angebot nachdenken müssen. Wir haben von dem Dachdecker nichts mehr gehört und das neue Dach war letztendlich fast 8.000 Euro preiswerter.

Handeln

Was du tun kannst

Wir entscheiden häufig emotional. „Aus dem Bauch heraus“, sozusagen. Egal, welche Entscheidung du getroffen hast, du kannst sie zu jedem Zeitpunkt verändern. Du kannst sie korrigieren, wenn du offen und ehrlich mit dir selbst umgehst.

Schließe unangenehme Wahrheiten nicht aus. Mir hilft es manchmal, ein Gedankenexperiment anzustellen. Was wäre, wenn die Aussage, die gegen meine Entscheidung spricht, zu 100% wahr wäre? Würde ich dann anders handeln oder entscheiden? Einen Teil meiner Entscheidungen habe ich dadurch revidiert. Anderen bin ich treu geblieben.

Nutze „falsche“ Entscheidungen, um daraus zu lernen. Wie kam es zu der Entscheidung? Was hat dich dazu gebracht, sie zu treffen? Welches „Teufelchen“ hat dich geritten? Hierfür ist es wichtig, dass du dir selber zugestehst, Fehler machen zu dürfen!

Manchmal braucht es mehr Mut eine Entscheidung zu korrigieren als sie bis zum (bitteren) Ende durchzuziehen. Sei mutig! Steh zu dir, deinen Entscheidungen und ebenso zu deinen Fehlern.

Welches System du vor und während größerer Entscheidungen anwenden kannst um die bestmögliche zu treffen, hatte ich bereits in einem anderen Artikel geschrieben. Ihn kannst du hier lesen.

Weiterlesen

Wie wir uns die Welt schönreden

Hier geht es zur Artikelübersicht in diesem Blog.

 

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