Grübelkarussell bei der Arbeit

Dem Grübelkarussell entkommen

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Worum geht es?

Das Grübelkarussell gehört zum Leben. Es geht daher darum, dass es normal ist, sich mit Negativem zu beschäftigen. Leider schwächen wir damit unser Selbstwertgefühl. Es ist bei den meisten Menschen so. Woher dies kommt und welche wichtige Bedeutung, eine negativen Sicht, für uns heute hat, wird beschrieben. Dann kommen wir zu den Nachteilen dieser Sichtweise. Am Schluss möchte ich dir Möglichkeiten aufzeigen, aus dem Grübelkarussell auszusteigen.

Mit der Negativ-Brille durch die Welt

Wenn du zuerst die Schattenseiten des Lebens oder des Momentes siehst, mache dir nichts daraus. Alle Menschen reagieren schneller sowie auch stärker auf negative Informationen als auf positive. Das bestätigen mehrere Studien in der Psychologie. Wenn wir nach dem Warum fragen, müssen wir weit in die Vergangenheit zurückreisen. Wir gehen in den Bereich der Evolutionsbiologie.

Die Negativen und die Toten

Wenn unser Freund der Neandertaler, nennen wir ihn „Urft“ so durch die Gegend zog, um einen Lagerplatz zu finden, musste er auf vieles achten. Erst suchte Urft nach einer geeigneten Höhle. Nehmen wir an, er fand sie. Sie lag auf einem Plateau, unweit einer Quelle, mit einem malerischen Ausblick über Wälder. Alles so wunderbar, dass Urft sich keine Gedanken mehr machte. Hätte er auf das Negative geachtet, wären ihm die Spuren der Säbelzahntiger ins Auge gefallen. Dann hätte er seine Gene vererben können. Schade eigentlich. Also lieber Grübelkarussell als strben!

In der oben dargestellten Geschichte waren die positiven Eigenschaften von Dauer. Von den negativen Situationen hing aber das Leben ab. Daher waren sie wichtiger. Letztendlich konnte eher jener seine Gene weiterverbreiten, der jeden Stock für eine gefährliche Schlange, als der, der die Schlange für einen Stock hielt. Daher hat sich diese Suche nach dem Negativen genetisch gut entwickeln können. Wir erinnern uns, die Positiven waren ausgestorben.

Grübelkarussell und Gefahr

Doch nun zurück zum Heute

Selbst heute signalisieren negative Situationen im Normalfall eine Gefahr. Ob in der Natur, dem Leben in der Großstadt oder beim Autofahren. Unser Gehirn widmet daher positiven Situationen weit aus weniger Zeit und Aufmerksamkeit als den negativen. In unserer Wahrnehmung gewinnen die negativen Situationen, gerade wenn wir betroffen sind, die Oberhand.

Das ist mit ein Grund, warum wir in einen Zustand von Depression und Ängsten geraten können. Beides wird durch Selbstkritik, Gefühle von Unzulänglichkeit, unterstützt, vielleicht eher untermauert.

Leider setzt hier ein Teufelskreislauf ein. Das Grübelkarussell verstärkt die Sache noch. Wir machen uns runter, empfinden uns als Versager. Wir erhalten den Eindruck, dass wir mit den Herausforderungen des Lebens, nicht mehr zurecht, kommen. Als Ergebnis dieser Selbstzweifel schließen wir die Schotten. Wir versuchen krampfhaft, negative Emotionen, von uns fernzuhalten. Furcht und Scham nehmen zu. Durch unsere nunmehr verdunkelte Sicht auf die Welt, färben wir alle Erfahrungen ein. Wir sehen im wahrsten Sinne des Wortes „schwarz“ oder zu mindestens „dunkelgrau“.

Was können wir tun, wenn wir im Grübelkarussell festsitzen

Erst einmal sollten wir uns klar machen, dass unsere Sicht auf das Negative uns vor Schlangen bewahren soll. Hinter unserer Wahrnehmung steckt eine positive Absicht. Akzeptiere, dass du negative Gedanken hast. Erst dann kannst du sie auflösen. Das wird dein Selbstwertgefühl stärken.

Unser Gehirn ist so ausgeprägt, dass es Verdrängtes immer wieder nach oben, in das Bewusstsein, bringt. Deswegen bleiben wir in negativen Situationen beziehungsweise Gefühlen so oft hängen. Keiner mag diese Gefühle. Da, wie ich es schon beschrieben habe, negative Informationen, in welcher Form auch immer, mit Ängsten einhergehen, neigen wir zur Flucht. Flucht in unseren eigenen Gedanken geschieht am schnellsten durch Verdrängen. Doch das ist ähnlich einem Kind, dass seine Hände vor die Augen hält und glaubt, nun würde es keiner mehr sehen. Das stimmt nicht. Je mehr wir etwas verdrängen, desto öfters werden wir damit konfrontiert. Also, was tun?

Eine gute Möglichkeit ist es, negative Gedanken auf später zu verschieben. Also, Grübelkarussell anhalten und aussteigen. Wir können uns eine Zeit einräumen, in der wir, wenn überhaupt noch nötig, über unsere negativen Gefühle nachdenken. Meist kommt es dann jedoch nicht mehr dazu.

Eine weitere Methode in ähnlicher Richtung ist es, die negativen Gedanken, Gefühle oder Situationen aufzuschreiben, um sie abzuheften.

Um dem Tunnelblick der Negativität zu entkommen, kann es nützlich sein, negative Emotionen als körperliche Empfindung wahrzunehmen. Dieses ist für mich der Königsweg. Da ist die Angst, die ich als zugeschnürten Brustkorb wahrnehme oder die Wut, die ich als verkrampften Magen erlebe. Vielleicht ist diese Vorstellung für dich noch ungewohnt. Alle Gefühle lassen sich in unserem Körper verorten. Nicht nur die Negativen. Dazu vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt mehr.

Sobald es uns gelingt, unsere negativen Emotionen als Körpergefühle wahrzunehmen, werden sie zu einem Teil unserer Wahrnehmung und begrenzen nicht mehr das gesamte Blickfeld. Wir können erkennen, dass es mehr gibt als nur dieses negative Gefühl. Jetzt haben wir auch die Möglichkeit uns, mit diesem Gefühl anzunehmen. An diesem Punkt können wir ein guter Freund für uns sein. Da trösten, wo es hilfreich ist. Auf andere Seiten, Sichtweisen, der momentanen Situation hinweisen. Hierdurch können wir das negative Gefühl auflösen.

Fazit

Wenn wir versuchen Negatives zu verdrängen, verstärkt unser Unterbewusstsein seine Impulse, das Verdrängte ins Bewusstsein zu schieben. Leider ist es hierbei wenig taktvoll. Das Grübelkarussell dreht sich halt im Kreis. Verdrängte Emotionen neigen dazu, sich an den unpassendsten Stellen, zum Beispiel einem Vorstellungsgespräch, bemerkbar zu machen.

Wenn wir uns, in emotional schmerzhaften Situationen , ein guter Freund sind, fällt es uns leichter »das Jetzt« anzunehmen und den Schmerz auszuhalten. Damit lösen wir ihn auf.

Grübelkarussell und strahlen

Als Schlussbemerkung noch ein Satz, den ich im „Kölner Treff“ aufgeschnappt habe: „Wir strahlen am besten vor einem dunkeln Hintergrund.“ Also keine Angst vor negativen Emotionen mehr.

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