Lebe jetzt nicht irgendwann

Lebe jetzt! Höre auf, dein Leben aufzuschieben!

Wieso dieser Artikel

Während ich den Artikel schreibe, sitze ich im Zug nach Berlin. Endlich Urlaub! Ein Urlaub, den ich mal wieder viel zu lange aufgeschoben habe. Natürlich gab es jede Menge vernünftige Gründe dafür. Wenn du diesen Artikel liest, schreibe ich den nicht nur für dich, sondern auch genauso für mich. Das Leben aufschieben passiert uns allen. Ich möchte jetzt eine Stopptaste in deinem (und auch in meinem) Leben drücken. Lebe jetzt!

Eine Geschichte

Bevor wir mit dem Thema „Lebe jetzt!“ einsteigen, möchte ich dir die Geschichte von Jan erzählen.

Simone und ich hatten die Dessous in einem kleinen Geschäft gekauft. Sie sollten für einen besonderen Abend sein, hatte Simone gesagt. Mir war die ganze Sache recht peinlich. Aber schließlich ist es ja in Paris gewesen, der Stadt der Liebe. Es sollten unsere zweiten Flitterwochen sein. Die Kinder verbrachten die Zeit bei meinen Eltern und nach sechs Jahren konnten wir das erste Mal wieder alleine unterwegs sein.

Sie sah so wunderschön aus und ich freute mich schon auf den besonderen Abend. Zuhause angekommen war unsere Tochter ziemlich krank geworden. Wir verbrachten vier Wochen in den Sprechzimmern verschiedener Ärzte, bis es der kleinen Jolie langsam wieder besser ging.

Glücklicherweise begann meine Zeit mit den vielen Geschäftsreisen erst, nachdem Jolie wieder vollends gesund war. Kurze Zeit darauf wurde ich Geschäftsführer im Unternehmen. Das brachte neben dem Geld, das wir in unser neues Haus steckten, auch etliche Reisen mit sich.

Simone richtete das Haus ein und kümmerte sich um Jolie und Ron. Sie war immer noch so schön, wie an jenem Tag in Paris. Ich liebte es ihr zuzuschauen, besonders wenn sie mit den Kindern lachte.

Mit dem Wechsel von Ron auf die weiterführende Schule fing Simone an, sich selbstständig zu machen. Ich hatte mich gut eingearbeitet, meine Arbeit nahm nicht mehr ganz so viel Raum ein und ich konnte Simone unterstützen, ihre Beratungsfirma aufzubauen.

Ich weiß, vielleicht hört es sich etwas albern an, aber auf Jolies Hochzeit war Simone die schönste Frau der Gesellschaft. Ok, Jolie stand ihr nicht viel nach. Ob es so glücklich war, dass Ron auf der Hochzeitsfeier seine Freundin in die Familie einführte, weiß ich bis heute nicht. Aber immerhin leben die beiden nun auch schon 15 Jahre zusammen.

Simone ist vor drei Wochen gestorben. Ich räume die Schränke aus und entdecke dabei diesen Karton mit den Dessous und den Geschichten, die daran hängen. Ich werde ihn in die Altkleidersammlung geben. Vielleicht kann ja jemand etwas damit anfangen. Zum Glück wurden die Dessous ja nie getragen.*

Lebe jetzt wurde nicht vorgelebt

Aufschieben wurde oftmals vorgelebt

Vielleicht kennst du Folgendes auch aus deinem Elternhaus. Bei mir zuhause gab es gutes Geschirr und Alltagsgeschirr. Das gute Geschirr wurde nur für feierliche Anlässe herausgeholt. Dabei fand ich schon in meiner Kindheit gerade das Kaffeeservice so schön. Ich konnte schon damals nicht verstehen, dass man sich nicht jeden Tag daran erfreut. Heute sehe ich darin durchaus ein Ritual. „Lebe jetzt“ fand in dieser Generation, verständlicherweise, recht selten statt. Es war die Generation der Kriegserfahrungen und des Wiederaufbaus.

„Wenn … dann“, an Stelle von „Lebe jetzt“

Wir glauben, dass erst noch etwas passieren muss, damit wir uns dem zuwenden können, was für uns nötig ist oder uns Freude bereiten würde.

Wie häufig höre ich in meiner Umgebung „Wenn dieses oder jenes passiert ist, dann haben wir Zeit für … „Wenn ich befördert worden bin, mache ich meinen Traumurlaub. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, ziehen wir in die Stadt. Den Tanzkurs beginnen wir, wenn die Kinder abends alleine zuhause bleiben können. Ich höre mit dem Rauchen auf, wenn ich 10 Kilo abgenommen habe und mit dem Abnehmen fange ich bestimmt morgen an.“ …. Hier kannst du gerne deine aufgeschobenen Punkte einfügen.

In dem Zusammenhang finde ich es wichtig, deine Prioritäten zu hinterfragen. Gerade dann, wenn du auf „Wenn … dann“ kommt um etwas zu verschieben. Hierzu hatte ich bereits einen Artikel geschrieben, den du hier findest.

Lebe jetzt, anstatt auf den richtigen Zeitpunkt zu warten

Warum verschieben wir unser Leben?

Ich glaube, dass wir wiederholt in eine Art „magisches Denken“ verfallen. Wir wünschen uns, dass sich die Dinge verändern. Weil sie dadurch für uns weniger anstrengend sind. Oder, wie in der Geschichte, hoffen wir auf den richtigen Zeitpunkt. Leider kommt dieser Zeitpunkt meist nur dann, wenn du ihn erschaffst.

Dann gibt es da noch das „böse“ vielleicht. Vielleicht regelt es sich ja von ganz alleine, oder es geht gar vorbei. Das ist des Öfteren ein Gesichtspunkt, wenn es darum geht, Arztbesuche aufzuschieben.

Anstatt zu handeln wenden wir uns der Hoffnung zu, dass es irgendwann, in einer nahen oder ferneren Zukunft, einmal besser sein wird. Doch diese Zeit kommt selten oder gar nie.

Die Gründe unser Leben zu verschieben

Das Aufschieben von Dingen und Tätigkeiten, die wir eigentlich machen wollen oder sollen, hilft uns auszuweichen.

Situationen, die auch nur den Hauch eines Anscheins haben, dass wir uns unwohl fühlen könnten, können wir so umgehen. Das beste Beispiel ist es, den tollen Mann oder die Superfrau erst gar nicht anzusprechen. Dadurch schaffst du es sicherlich eine, zugegebener Maßen schmerzhafte, Zurückweisung, zu umgehen, aber dein Glück findest du so auch nicht. Ein guter Freund hat mir in diesem Zusammenhang mal gesagt: „Du hast jetzt lange genug auf die brünette Einbrecherin gewartet.“

Die schon benannten Arztbesuche schieben wir auf, weil wir uns nicht mit Krankheiten und ihren Konsequenzen, auseinandersetzten wollen. Wir blenden es aus und hoffen, dass die hin und wieder auftauchenden Arm und Brustschmerzen schon von alleine verschwinden. Manchmal setzt unser Körper hier einen Schlussstrich. Hoffentlich keinen finalen.

Wenn du lange genug aufschiebst, kannst du so bleiben wie du bist.  Du darfst! Du verpasst halt das große Abenteuer Leben und es ist deine Entscheidung. „Lebe jetzt“ bedeutet die Verantwortung für sich zu übernehmen. Das ist nicht immer leicht und angenehm. Gezeitigt kann es das größte Abenteuer deines Lebens werden!

Wenn du darauf wartest, dass sich alles von alleine bessert, kannst du andere, die Welt oder das Universum dafür zur Rechenschaft ziehen. Also „einmal Verantwortung an der Garderobe abgeben bitte“. Zum Thema Verantwortung hatte ich auch schon einen Artikel geschrieben, den du hier findest.

Die oben dargestellte Illusion, dass du eigentlich ganz anders bist und nur nicht dazu kommst, du zu sein, kannst du gut aufrechterhalten, wenn du das Handeln verschiebst.

 

Lebe jetzt und spüre das Leben

Lebe jetzt, nicht irgendwann.

Eigentlich gibt es so etwas wie Aufschieben ja nicht. All das, was du nicht erledigst, wird nicht aufgeschoben, es bleibt ungetan.

Das ist auch in Ordnung. Du musst nicht alles tun. Vor allem dann nicht, wenn du glaubst, du musst. Treffe deine Entscheidungen für dich. Wenn etwas für dich wichtig ist, solltest du allerdings handeln. Die Zauberworte hierbei sind „für dich“.

Du kannst viel darüber erzählen, was du irgendwann einmal tun wirst. Du kannst auch darüber sprechen, wer du eigentlich bist, wenn du endlich mal die Zeit dafür hast, du zu sein. Reden kann jeder viel. Deine Taten und dein Verhalten zeigen weit aus mehr, wer du bist. Von daher: Lebe jetzt und zeige, dass du lebst.

Lebe jetzt, konkrete Schritte dazu

Frage dich selber: „Was könnte im allerschlimmsten Fall passieren, wenn du mit deinen aufgeschobenen Themen beginnst?“ Meist ist die Antwort darauf erschreckend unwichtig. Das wird dir helfen, in die Umsetzung zu kommen. Wenn du auf Ängste triffst, lohnt es sich, darüber zu sprechen. Möglicherweise sind die „Angstriesen“ nur in deinem Kopf so groß und Freunde können dir helfen sie zu überwinden.

Überdenke von Zeit zu Zeit deine Prioritäten. Wenn sie dich abhalten etwas zu tun, was du schon lange tun wolltest, verändere sie. Dein Leben auf dieser Erde ist nicht wirklich lang. Etwas zu verschieben macht daher keinen Sinn.

Lebe jetzt bedeutet planen und umsetzen

Nimm dir die Zeit, setze dich hin und beginne etwas, was du schon längere Zeit vor dir herschiebst. (In 6 Schritten vom Wunsch zum Ziel.) Manchmal geht es auch „nur“ darum, einen Plan zu machen. Bleibe jedoch nicht im Planen hängen! Setze dir JETZT einen Zeitpunkt, an dem du beginnst, deinem Plan Taten folgen zu lassen. Egal, wie ausgereift dein Plan ist, beginne mit der Umsetzung. Am besten jetzt. Jetzt kann auch der Zeitpunkt sein, an dem du einen Termin beim Arzt verabredest.

Denke nicht über die langfristige Perspektive nach. Oft erscheinen uns Aufgaben als sehr langwierig und wir scheuen uns davor, anzufangen. Plane im 15-Minuten-Rhythmus. In 15 Minuten kannst du irgendetwas für die Umsetzung tun.

Wenn immer möglich, schaffe dir ein Ritual. Beispielsweise: „Jeden Samstag werde ich von 8.00 Uhr bis 08:30 Uhr, an der Aufgabe arbeiten.“ Mir hilft es hier eine Mappe zu haben, in der alle wichtigen Unterlagen für ein Thema liegen. Die kann ich, sobald ich dafür Zeit habe, aufmachen und muss mir die Sachen nicht mehr zusammensuchen. Das eignet sich besonders gut für meine 15 Minuten Bereiche.

Manchmal ist es auch gut, wenn du dir anschaust, was du durch das Aufschieben vermeidest. Manche meiner Aufgaben haben sich dadurch erledigt und wurden durch andere ersetzt. Hüte dich jedoch davor, immer wieder neue Aufgaben zu finden.

Beschließe, dich niemals wieder zu langweilen! Langweilen und „nichts tun“ sind zwei unterschiedliche Dinge. Aufgaben, die du anfangen kannst, hast du bestimmt genug. Weiche dem nicht mehr aus.

Egal, was du auch tust, gehe bitte freundlich mit dir um. Wenn du sowieso zum Aufschieben neigst, was dir bestimmt auf die Nerven geht, solltest du dich nicht noch zusätzlich runtermachen. Manchmal wirst du aufschieben. Manchmal heißt nicht immer!

 

Ich wünsche die viel Freude in deinem Leben und hoffe, dass dich dieser Artikel darin unterstützt, weniger aufzuschieben. Über eine Rückmeldung von dir würde ich mich sehr freuen.

Und noch einmal: „Sei dir selbst der beste Freund der Welt! Lebe jetzt und koste jeden Augenblick deines Lebens aus!“

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Weitergehende Literatur

Der wunde Punkt – Wayne W. Deyer

Weiterlesen

Verschiebe dein Leben nicht auf morgen. Lebe heute!

Das Leben genießen

Der Unsinn vom ständigen Leben “im Hier und Jetzt“

 

* Die Geschichte habe ich vor etlichen Jahren im Radio gehört. Sie hatte mich damals tief beeindruckt. Leider hatte ich die Geschichte nur noch rudimentär im Gedächtnis und musste Sie hier nacherzählen. Inhaltlich bin ich im Thema geblieben.  Dennoch wird sie sicher nur noch schemenhaft dem Original gleichen.
 

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